Zur Geschichte der Alten Dorfkirche

In der Folge der Wiederinbesitznahme der Brandenburg durch Albrecht den Bären am 11. Juni 1157 zogen deutsche Bauern auch an Havel und Spree. In Golm siedelten am westlichen Fuße des Reiherbergs oberhalb der Höchstwassermarke Slawen des Stammes der Heveller. Die deutschen Bauern siedelten nördlich davon und betrieben Landwirtschaft auf den Sandern und Endmoränenflächen oberhalb der Hochwasserlinien. Möglicherweise bauten diese Siedler bereits eine erste Kirche, vielleicht ein einfaches Fachwerkgebäude. Dazu gibt es allerdings keine schriftlichen Berichte oder archäologischen Funde. Die Ersterwähnung Golms und der Golmer Kirche fand 1289 statt. Bei Sanierungsarbeiten an den Fundamenten im Jahre 2022 wurde durch den begleitenden Archäologen unter einem Findlingsblock des Fundamentes des ältesten Teiles der Kirche eine Tonscherbe gefunden, die zweifelsfrei dem frühen 13. Jahrhundert zugeordnet werden konnte, also noch in der Zeit vor der schriftlichen Ersterwähnung. Allerdings kann man nicht wissen wie und wann sie dorthin gelangte und ob sie vielleicht Hinweis auf ein älteres Gebäude ist. Der Fund passt allerdings zu den neuesten Ausgrabungsergebnissen vom Alten Markt in Potsdam. Erst etwa 20 Jahre nach der Übernahme der Mark durch Albrecht den Bären finden sich Siedlungs- und Stadtgründungsspuren deutscher Siedler zusätzlich zu den slawischen Ansiedlungen. Man kann also vermuten, dass auch in die umliegenden Dörfer um 1180 die ersten deutschen Bauern zuzogen, eben auch nach „Cholm“, wie die ansässigen Slawen den Ort nannten. Wahrscheinlich unter der Ägide des Magdeburger Bischofs, dem Albrecht zunächst diesen Bereich überlassen hatte. Zur notwendigen Ausstattung gehörten dann immer auch eine Kirche und ein Friedhof, um die Nähe von Lebenden und Toten zu gewährleisten. (Nach dem Buch von Graichen und Wemhoff, Gründerzeit 1200, 2024)
Erst mit der Grablege des Claus von Schönow 1449 wurde der älteste Bereich der heutigen Kirche (A) in Mauerwerk errichtet, nämlich die Apsis und der Altarstein mit der direkt westlich davor liegenden Grablege (2). Mindestens zwei weitere Bauphasen erweiterten die Kirche über die Jahrhunderte (B, C). Eine zweite Bauphase kann vermutlich auf die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg verortet werden, vielleicht nach dem Erwerb des Dorfes Golm durch den Großen Kurfürsten 1664, vielleicht gegen 1680. Bereits 1778 war ein Neubau beantragt und abgelehnt worden. So erfolgte eine dritte Erweiterung 1779-1780 mit Verlegung des vorher als Dachreiter aufgesetzten Glockenturms an die heutige Position. 1813 erfolgte eine Teilerneuerung des Dachstuhls, dabei gingen die Dachgaupen (Ochsenaugen) verloren und 1839 erfolgte eine neue Deckenschalung und Bemalung im Schinkelstil. Dennoch blieb die Kirche in keinem guten Zustand und in den 1870er Jahren wurden die regierenden Hohenzollern erneut um eine umfassende Sanierung gebeten. Das Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm und Victoria nahmen um 1880 von diesen Plänen Kenntnis und entschieden 1882 eine Neue Kirche in Golm zu errichten und die Alte Dorfkirche nicht mehr zu sanieren. 1883 erfolgte die Grundsteinlegung und 1886 die Einweihung der Neuen Kirche (Kaiser-Friedrich-Kirche). Fortan diente die Alte Dorfkirche als Friedhofskapelle. Zu dem an sich schon schlechten Bauzustand kamen dann weitere Schäden während des 2. Weltkrieges hinzu. So wuchs der Wunsch zur Sanierung seitens der Kirchengemeinde und unterstützt vom Kirchbauverein. Im September 2025 war die denkmalgerechte Sanierung endlich geschafft!
Ab 1449 wurde die Apsis, der älteste noch vorhandene Bereich der Alten Dorfkirche, im Zuge der Grablege von Claus von Schönow errichtet. Es folgten immer wieder Erweiterungen mit einer zweiten Bauphase im 16. Und 17. Jhdt. 1883 bis 1886 wurde die Neue Kirche erbaut und die Alte Dorfkirche diente als Begräbniskapelle. Nach 1945 wurden die erheblichen Kriegsschäden durch Vermauern des ehemaligen Haupteingangs an der Nordseite und eines Fensters verschlossen.
Begegnungshaus Alte Dorfkirche Golm
2019 haben Kirchengemeinde, Kirchbauverein und engagierte Bürgerinnen und Bürger ein Konzept für die Nutzung des Kirchleins erstellt. Künftig wird sie als „Begegnungshaus Alte Dorfkirche Golm“ genutzt werden. Nach ihrer Sanierung steht sie allen Menschen in Golm als Begegnungshaus offen, ganz gleich, was sie glauben, woher sie kommen oder welche Sprache sie sprechen. Im zukünftigen Ausbau ist ein temperierbarer Fußboden, Präsentationstechnik, eine behindertenfreundliche Toilette und eine Teeküche geplant. Dann ist das älteste Haus auf der Insel Potsdam ein eigenständiger Bürgertreff.

Eine Führung durch die Alte Dorfkirche
Das Kirchenschiff ist Ost-West ausgerichtet mit dem Altar auf der Ostseite und rund 16,80 m lang und 7,80 m breit; er Turm 4,75 x 4,10 m. Originale historische Putzreste wurden innen soweit wie möglich erhalten, ansonsten wird die Mauerstruktur erkennbar, die viel über die Historie des Gebäudes erzählt.
A) Im 15. Jhdt. Errichteter, ältester sichtbarer Teil mit dem gemauerten Altar, wahrscheinlich anlässlich der Grablege des C. von Schönow 1449.
B) Zweite Bauphase um 1678, die mglw. die nach dem 30-jährigen Krieg (1618-1648) ruinierten Fachwerkmauern ersetzten.
C) Dritte Bauphase 1779/1780 mit Verlegung des Turms (8) nach außen. Zuvor war der Turm auf dem Dach aufgesetzt, was sich noch an der Dachbalkenkonstruktion erkennen lässt.
- Apsis und Altarstein. Die zugemauerten Fenster der Apsis und verschiedene Mauernischen wurden wieder geöffnet. Die Kirche wurde dereinst mit Ziegelsteinen ausgelegt, die unter einer einer Fußbodenheizung mit Parkettbelag erhalten bleibt. Der Altar trug einen Aufsatz (Retabel) gespendet 1718 von Friedrich Wilhelm I (Soldatenkönig). Nach der Restaurierung ist das Retabel im Potsdam Museum ausgestellt. Das historische Altarbild wurde 1991 gestohlen. Die Wand bleibt unbehandelt, um die mittelalterliche Mauer- und Putzstruktur zu zeigen.
- Durch Bodenradar konnte westlich vor dem Altar das Doppelgrab von Christian von Schönow, verst. 1449, und Margarethe von der Groeben, verst. 1469, nachgewiesen werden. Die gut erhaltene Grabplatte ist zusammen mit 2 weiteren Grabplatten aus der Alten Dorfkirche in der Neuen Kirche in die Wände eingelassen (10).
- Mittels Bodenradar wurden in einer Linie von der Tür zum mittleren Fenster vermutlich Grundmauern aus großen Findlingen und Reste eines Brunnens entdeckt. Etwa auf der Höhe der Westwand der zweiten Bauphase.
- Aufgrund von Zerstörungen durch Beschuss wurde nach dem 2. Weltkrieg die ursprüngliche Haupteingangstür auf der Nordseite sowie ein Fenster zugemauert und der Zugang erfolgte seither über die Turmtür. Beide wurden wieder geöffnet. Alle Fensterflügel wurden nach dem Vorbild der historischen, auf der Nordseite erhaltenen Fenster und Beibehaltung alten Materials (etwa Beschläge) wieder hergestellt.
- Decke und Dachstuhl waren schwer beschädigt, teils verrottet. Die Decke brach in Teilen bereits herunter. Unter Erhaltung möglichst vieler der alten Hölzer wurde der Dachstuhl wiederhergestellt und das Dach neu eingedeckt. Die Holzplankendecke des Kirchenraumes wurde wieder hergerichtet und die Bemalung der Decke teils neu aufgebracht. Täuschend echt vermittelt die Illusionsmalerei nun wieder den Eindruck einer Schinkel’schen Kassettendecke.
- Eine unscheinbare Fehlstelle in der Decke markiert den Haltepunkt des Kanzelhimmels über der an dieser Stelle wohl platzierten Barockkanzel, die leider verloren gegangen ist.
- An wenigen Stellen konnten im Fassungsbefund originale historische Farbreste entdeckt werden. Sie deuten darauf hin, dass die Kirche einst vielleicht innen farbig gestaltet war. Oben kurz unter der Decke haben wir einen solchen Farbrest sichtbar gelassen.
- Im Turm mussten die verrotteten innenliegenden Fachwerkhölzer komplett ausgebaut und die Lücken ausgemauert werden. Die historischen Glocken sind verschollen. Der Glockenstuhl wurde komplett erneuert. Dort wird im Endausbau eine Wärmepumpe installiert, die mit Sonnenenergie aus der PV-Anlage zur Heizung des Gebäudes beitragen wird. In der Turmspitze konnten einige der alten Hölzer erhalten werden und die Kirche bekommt zur Wiedereinweihung eine neue Wetterfahne mit der Zahl 1289, der Ersterwähnung der Kirche und des Dorfes Golm.
- Das Außengelände, das unter den Baumaßnahmen gelitten hat, wird nach Fertigstellung wieder hergestellt mit einem Zugang zur neuen/alten Tür auf der Nordseite und einer Abtrennung des Kirchhofs. Dank an alle Friedhofsnutzer und -nutzerinnen für ihre Geduld.
- In der neuen Kirche wurden 3 Grabsteine aus der alten Dorfkirche zum Erhalt, zur Würdigung und Präsentation in die Wände eingelassen. Zudem fanden sich im Schutt auf dem Dachboden der Alten Dorfkirche sogenannte Totenbretter, die in der Neuen Kirche nun einen ehrenvollen Platz gefunden haben.